SeelenGarten & LebensRaum

Den roten Faden finden

Theseus, der junge Held, sollte eigentlich eine Mahlzeit für den gefährlichen Minotaurus werden, der in einem Labyrinth eingesperrt war. Doch wie es so ist – die Königstochter Ariadne sah Theseus und verliebte sich in ihn. Weil Theseus absolut überzeugt war, den Minotaurus besiegen zu können, gab sie ihm einen Faden mit, damit er den Weg aus dem Labyrinth wieder hinausfindet. Theseus erschlug den Minotaurus und dank Ariadnes rotem Faden erreichte er die Freiheit.

Wir alle tragen einen roten Faden in uns, es ist die Kraft, die uns hilft, unser Schicksal zu ergreifen und zu gestalten. Gelegentlich stellen wir fest, dass uns dieser Faden irgendwie abhanden gekommen ist. Wir taumeln durchs Leben ohne Weg und Ziel, haben keine Ahnung, welche Abzweigung wir wählen sollen. Wir können klar benennen, was wir alles NICHT wollen, haben aber keine Idee, was wir eigentlich wollen oder sollen. Jede Tür, vor der wir stehen, ist abgeschlossen und vor uns liegt nur immer wieder ein neuer Gang mit ebenfalls geschlossenen Türen.

 

Das Bild des Labyrinths begleitet uns in der Arbeit auf der Suche nach dem eigenen Schicksal. Wer oder was führt uns, was sind die inneren Steuermänner, die uns immer wieder in eine Richtung zwingen wollen? Was ist der Minotaurus in unserem Leben und welche Ariadne gibt uns den Faden? Wenn wir den Drachen besiegt haben – wie finden wir den Mut, umzukehren und den ganzen langen Weg noch einmal zurückzulegen, dieses Mal nach draußen? Wie stehen wir es durch, abermals zig Wendungen vollführen zu müssen, die uns zum Ziel bringen, aber dann doch kurz davor wieder weit weg schwingen? Wie behalten wir Mut und Zuversicht auf dem Lebensweg?

 

 

Glaube denen, die die Wahrheit suchen und zweifle an denen, die sie gefunden haben.

André Gide

(C) 2013 Christine Krokauer